Ist Charakter vererbar?

Der philosophische Zirkel, bei dem über Sinn und Unsinn geredet wird.
Antworten
Benutzeravatar
Axel
Heiliger Brun
Heiliger Brun
Beiträge: 3642
Registriert: Freitag 16. Juli 2004, 14:37
Wohnort: Bitterfeld-Wolfen
Kontaktdaten:
Deutschland

Ist Charakter vererbar?

Beitrag von Axel » Mittwoch 21. Mai 2008, 06:57

Moin Moin!

Die Idee zu diesem Thema, kam mir kürzlich nach einem Gspräch mit meinem Cousin. Es ging u.a. darum, das ich meinem Großvater sehr ähnlich sei. Wiederum von anderer Seite der Verwandschaft kam zu Wort, ich sei vom Charakter her genau wie er. Hmm, ich konnte da leider nicht mitreden, weil ich ihn kaum kannte und keinen Kontakt hatte.

Ohne das ich weiteres von mir erzählte, kam dann zu Tage wie er manchmal so gewesen ist und wie er drauf war. Im grunde genommen ein völlig fremder Mensch, was mich aber dennoch erstaunte, wie ähnlich wir uns in manchen Dingen wohl sind. :shock:

Ist Charakter vererbar? Ich meine oft spielt ja auch die Vorbildfunktion eine nicht unwesentliche Rolle. Man ahmt gewisse Dinge nach und je nachdem zu wem man Bezug hat in Familien, wird man oft auch so. Speziell in meinem Falle ist es aber definitiv nicht so. Es heißt immer aus Spaß, die haben dich bestimmt im Kreissaal damals vertauscht, da ich aus der Reihe tanze vom Charakter her. *gg*

Im Bezug auf meinem Großvater, bin ich aber erschreckend ähnlich. Natürlich nicht 100 %, das wäre selbst für mich Horror, da gewisse cholersiche Züge nicht soo stark ausgeprägt sind. Noch nicht? :shock:

Ich finde, das Potenzial zumindestens für diverse Eigenschaften, wird schon vererbt. Im Laufe des Lebens durchfährt man gewisse Selbstfinduungsprozesse, versucht aus dem familiären Kreis auszubrechen und merkt irgendwann, man ist genauso.

Von daher behaupte ich, man kann sich in mancherlei Dingen nicht seinem Schicksal erwehren. Wenn man es so sieht, habe ich eine Art "Grundwut", welche sich eher selten in cholerischen "Anfällen" äußern kann. Nur ist es nicht die Frage ob es so ist, sondern was man daraus macht und damit umgeht.
In meinem Falle wohl ... Internet, Musik, Foren, Webdesign, Freundeskreis pflegen, Ausflügen, Lesen, Schreiben ... man steckt seine Energien in sinnvolle Sachen und wandelt es somit ins Positive um.
Ich finde es ist sehr wichtig, dass man nichts verdrängt im Bezug auf seine Herkunft, den Tatsachen ins Auge blickt und sich somit selber besser kennenlernt und sich darauf einstellt. So kann man besser mit gewissen Situationen umgehen, was soziales Zusammenleben in der Gesellschaft vereinfacht.

Man versteht Zusammenhänge besser und kann es anhand von einem selber besser beurteilen. Heute weiß ich, dass mein Großvater im grundgenommen ein viel besserer "Brummer" war, als ich es jemals gewesen bin. Reden halten ohne Zettel und wirklich alles in die Ecke diskutieren. Jeden Spaß mitmachen und tolerant. Bis auf die negatibven Charekterzüge, was wohl auch damit zusammenhängt, das es damals nicht solche Ausgleichsmöglichkeiten, wie heutzutage gab. Dann wird man eben zu dem, was einem wohl für ewig nachgeredet wird.

Man kann sich nicht ändern und bestimmte Eigenschaften abstellen. Man wurde so geboren und es liegt einfach im Blut. Aber man kann sich dessen bewusst werden und es versuchen auszugleichen und damit mildern.

Das war nur ein Beispiel von vielen. Ich wollte damit beweisen, dass man auch ohne jemals Kontakt gehabt zu haben, genauso sein oder werden kann. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß.

Fazit: Charakter ist meiner Meinung nach genetisch bedingt.
... "I don't need GOOGLE my wife knows everything" ...

Benutzeravatar
Cathy
Luchs
Luchs
Beiträge: 476
Registriert: Sonntag 9. September 2007, 14:03
Wohnort: Dübendorf
Schweiz

Beitrag von Cathy » Mittwoch 21. Mai 2008, 10:11

Bin auch der Meinung dass der Charakter genetisch vererbt ist. Aber ich denke wir werden auch dementsprechend erzogen und so widerspiegelt es sehr viel. Danach geben wir unbewusst unseren Kinder das anerzogene weiter. Vielleicht sind es einfach nur ausgeprägte Züge, welche wir mitnehmen, die dich dann stark oder schwach wirken lassen. Ich bin immer viel zu nett/lieb, meine Mutter ist es auch und meine Grossmutter war es auch.
Hast du depressive Eltern oder Grosseltern ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass auch du diese Gene in dir trägst. Ist dass selbe mit anderen Krankheiten.

Unsere heutige Gesellschaft lernt uns aber, das wir uns ständig verändern sollen. Manche können es, manche haben ihre liebe mühe damit. Sicher auch eine Charaktereigenschaft. Meine nett/lieb Eigenschaft wird sich nicht bewähren, ich solltet mir Haare auf den Zähnen wachsen lassen. Sicherlich habe ich mich in manchen Charaktereigenschaften etwas verändert, genügt es um weiter zu bestehen? Ich weiss es nicht.

Grundlegend kann ein Mensch nicht verändert werden, er muss es wollen und dazu bereit sein. In krisenhaften Situationen werden aber immer diese Charaktereigenschaften nach vorne treten (nicht dass ich in einer Krise jetzt äusserst nett wäre) und oft wendet man ja als erstes einem bekannte, bisher gelungene Strategien an.

Sigmund Freud beschreibt sehr schön das Entwicklungsmodell der Psyche. Man kann es belächeln, aber es trägt sehr viel Wahrheit in sich. So werden Charaktereigenschaften schon in den frühen Monaten nach der Geburt entwickelt, die prägen und quasi nie mehr weggemacht werden können. Wie lebt/erlebt man die einzelnen Lebensphasen, welche wirken stark prägend. So denke ich werden Charaktereigenschaften noch gefestigt.
Ehe Du über andere Menschen urteilst, zieh Dir seine Schuhe an und lauf seinen Weg

Benutzeravatar
Axel
Heiliger Brun
Heiliger Brun
Beiträge: 3642
Registriert: Freitag 16. Juli 2004, 14:37
Wohnort: Bitterfeld-Wolfen
Kontaktdaten:
Deutschland

Beitrag von Axel » Mittwoch 21. Mai 2008, 11:50

Erziehung ist ein guter Punkt. Ich muss mal wieder etwas weietr ausholen. Im Bezug auf meinem Großvater und meinem Vater muss ich sagen, ich genoss von ihm die wenigste Erziehung. War aus berufstechnischen Gründen so und so wuchs ich eigentlich bei meiner Mutter auf. Mein Vater ist aber wiederum ein ganz anderer Typ als seiner und hat, außer vielelicht was vom Aussehen, nicht viel gemeinsam. Trotz fehlenden Phrasen, habe ich etwas von einer Genertation geebrt, die ich nicht kenne.
Eine gewisse Kmpfernatur von meiner Großmutter mütterlicherseits. War Anfang 20, keine Eltern mehr, Großteil der Geschwister im Krieg geblieben und einfach nur auf sich gestellt und später 3 Kinder großgezogen. Das hat sich natürlich auch übertragen und in meiner frühen Kindheit auch. Beispiel: Axel, du bis 5 Jahre, hast 2 beine zum Laufen und kannst alleine im Kindergarten gehen. => Oma es regnet doch und Mutti bringt mich immer bis an die Treppe. => Du wirst doch wohl die paar Meter alleine laufen kommen, ich habe nochwas zu tun. => Heul => Mir egal, sie zu dass du Land gewinnst ... aber es klappte und es war wohl auch ein prägendes Erlebnis.
Meine Eltern waren immer Vollzeit arbeiten und wenn wir aus der Schule kamen, war niemand da. Wir lernten usnere Hausuafgaben selbständig zu machen, packten den Schulranzen selber und gingen, wenn es mal vorkam, auch alleine ins Bett.

Man hatte dann ein gewisse Ordungsgefühl und auch Selbständigkeit. Auf der anderen Seite, bis heute, ein sehr stark ausgeprägtes Familiengefühl. Zusammenhalt ist alles und jede Krise kann gelöst werden, wenn man will.

Zu deinem Satz mit Sigmund Freud, kann ich nur zustimmen. Ich kenne einen Fall aus meinem Umfeld. Mutter alleinstehend und Alkoholikerin. In der Schule erst lieb und sogar anhänglich, später dann DER Raufbold und kriminelle Machenschaften. Heute aber nicht mehr, aber dafür ein stark ausgeprägtes Ego mit wenig Platz für Teamgeist.

Süchtige bringen sehr oft Süchtige zur Welt. Ob es dann die gleiche Sucht ist, ist eine andere Frage. Manchmal nur Geltungssucht oder eine der vielen anderen Süchte, welche nicht körperlich abhängig machen. Angst vor Armut ist auch oft so ein Phänomen. Wenn das Geld übermäßig im Vordergrund steht, hat es auch oft Ursachen in der Vergangenheit. Wäre bei mir z.B. gar nicht so, weil wir immer alles hatten und bekamen, wenn wir was brauchten.

Sich ändern wollen, ist eine Sache des Bewußtseins. In der heutigen schnellebigen zeit wird das immer schwieriger, da man bei Problemen zuerst bei anderen sucht. Bis man die Ursache gefunden haben könnte, tritt schonwieder ein neuer Lebensumstand ein.

Zu mir, also ich gebe schon immer Tipps, wen ich mich aufrege, einfach ein paar Minuten in Ruhe lassen. Oder ebschäftige mich dann solange mit was anderen. Und wenn es dann doch mal durchdringt, tut es mir dann hinterher leid. :) Aber das kann man nicht ändern, nur versuchen besser zu steuern.

Ich fand das bei einer Deutschlehrerin immer cool. Ein Störenfried am nerven, sie auch eine Cholerikerin und wenn es hart kam, erst die Standpauke und dann aus dem Fenster gucken und mehrmals tief durchatmen und normal weitermachen. Das hab ich mir abgeguckt! Klappt hin und wieder.

Ich bleibe dabei, niemand kann seiner Haut entfliehen ...
... "I don't need GOOGLE my wife knows everything" ...

Benutzeravatar
Cathy
Luchs
Luchs
Beiträge: 476
Registriert: Sonntag 9. September 2007, 14:03
Wohnort: Dübendorf
Schweiz

Beitrag von Cathy » Mittwoch 21. Mai 2008, 13:06

Ja ich komme sehr oft mit der Erziehung. Vielleicht ist es von mir eine weitere Charakterschwäche, habe ich doch eine sehr charakterstarke Tochter und ich behaupte von mir, dass ich es nicht bin.
Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Oft verstehe ich nicht, wie meine Tochter mit dem Kopf durch die Wand gehen kann/muss, bis sie zur Besinnung kommt. Ich meinerseits, wäge alles zuerst ab. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, das ich schon viele schmerzhafte Erlebnisse sammeln musste (so bin ich vielleicht meiner Tochter ähnlicher als mir lieb ist).

Ich denke auch Sucht ist vererbbar, resp übertragbar. Ob es jetzt Zigaretten, Drogen, Alkohol, Medikamente, oder dergleichen sind. Kommt ein Kind einer Drogensüchtigen zur Welt, muss es erstmal einen Entzug hinter sich bringen. Harte Realität für so ein kaum 2 Tage alles Ding. Prägt dich das nicht schon in deinem Charakter?

Man sagt doch auch, ein Kind welches durch Kaiserschnitt zur Welt gebracht wurde, hätte die erste Grenze des Lebens nie erlebt. Grenze dadurch, dass du deinen Kopf nicht durch diese schmale Öffnung pressen musstest. Erster Charakterzug, indem du deine Grenzen nie kennen lernst?

Nichts desto trotz, jeder Charakterzug passt zu einem Menschen, macht ihn individuell, gehört zu deinem Dasein.
Auch ein Massenmörder hat Charakterzüge, die ihn prägten, zu dem werden liessen was sie sind. Und hier ist oft Erziehung vs Charakter mit im Spiel.
Wir haben die Eigenschaft etwas zu ändern, wenn wir nur wollen. Es ist oft hart oder unumgänglich für unser weiteres Dasein. Oft merkt man ja einiges an sich nicht, wie soll man dies verändern? Einiges wird von Freunden, Bekannten, Psychiatern aufgezeigt, aber, wenn es dich nicht zu stören vermag, dann lasse auch ich diesen Zug, dein Leben bestimmen.
Ehe Du über andere Menschen urteilst, zieh Dir seine Schuhe an und lauf seinen Weg

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron