Ist Charakter vererbar?

Der philosophische Zirkel, bei dem √ľber Sinn und Unsinn geredet wird.
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Ist Charakter vererbar?

Beitrag von Axel » Mittwoch 21. Mai 2008, 06:57

Moin Moin!

Die Idee zu diesem Thema, kam mir k√ľrzlich nach einem Gspr√§ch mit meinem Cousin. Es ging u.a. darum, das ich meinem Gro√üvater sehr √§hnlich sei. Wiederum von anderer Seite der Verwandschaft kam zu Wort, ich sei vom Charakter her genau wie er. Hmm, ich konnte da leider nicht mitreden, weil ich ihn kaum kannte und keinen Kontakt hatte.

Ohne das ich weiteres von mir erzählte, kam dann zu Tage wie er manchmal so gewesen ist und wie er drauf war. Im grunde genommen ein völlig fremder Mensch, was mich aber dennoch erstaunte, wie ähnlich wir uns in manchen Dingen wohl sind. :shock:

Ist Charakter vererbar? Ich meine oft spielt ja auch die Vorbildfunktion eine nicht unwesentliche Rolle. Man ahmt gewisse Dinge nach und je nachdem zu wem man Bezug hat in Familien, wird man oft auch so. Speziell in meinem Falle ist es aber definitiv nicht so. Es heißt immer aus Spaß, die haben dich bestimmt im Kreissaal damals vertauscht, da ich aus der Reihe tanze vom Charakter her. *gg*

Im Bezug auf meinem Gro√üvater, bin ich aber erschreckend √§hnlich. Nat√ľrlich nicht 100 %, das w√§re selbst f√ľr mich Horror, da gewisse cholersiche Z√ľge nicht soo stark ausgepr√§gt sind. Noch nicht? :shock:

Ich finde, das Potenzial zumindestens f√ľr diverse Eigenschaften, wird schon vererbt. Im Laufe des Lebens durchf√§hrt man gewisse Selbstfinduungsprozesse, versucht aus dem famili√§ren Kreis auszubrechen und merkt irgendwann, man ist genauso.

Von daher behaupte ich, man kann sich in mancherlei Dingen nicht seinem Schicksal erwehren. Wenn man es so sieht, habe ich eine Art "Grundwut", welche sich eher selten in cholerischen "Anfällen" äußern kann. Nur ist es nicht die Frage ob es so ist, sondern was man daraus macht und damit umgeht.
In meinem Falle wohl ... Internet, Musik, Foren, Webdesign, Freundeskreis pflegen, Ausfl√ľgen, Lesen, Schreiben ... man steckt seine Energien in sinnvolle Sachen und wandelt es somit ins Positive um.
Ich finde es ist sehr wichtig, dass man nichts verdrängt im Bezug auf seine Herkunft, den Tatsachen ins Auge blickt und sich somit selber besser kennenlernt und sich darauf einstellt. So kann man besser mit gewissen Situationen umgehen, was soziales Zusammenleben in der Gesellschaft vereinfacht.

Man versteht Zusammenh√§nge besser und kann es anhand von einem selber besser beurteilen. Heute wei√ü ich, dass mein Gro√üvater im grundgenommen ein viel besserer "Brummer" war, als ich es jemals gewesen bin. Reden halten ohne Zettel und wirklich alles in die Ecke diskutieren. Jeden Spa√ü mitmachen und tolerant. Bis auf die negatibven Charekterz√ľge, was wohl auch damit zusammenh√§ngt, das es damals nicht solche Ausgleichsm√∂glichkeiten, wie heutzutage gab. Dann wird man eben zu dem, was einem wohl f√ľr ewig nachgeredet wird.

Man kann sich nicht ändern und bestimmte Eigenschaften abstellen. Man wurde so geboren und es liegt einfach im Blut. Aber man kann sich dessen bewusst werden und es versuchen auszugleichen und damit mildern.

Das war nur ein Beispiel von vielen. Ich wollte damit beweisen, dass man auch ohne jemals Kontakt gehabt zu haben, genauso sein oder werden kann. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß.

Fazit: Charakter ist meiner Meinung nach genetisch bedingt.
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Beitrag von Cathy » Mittwoch 21. Mai 2008, 10:11

Bin auch der Meinung dass der Charakter genetisch vererbt ist. Aber ich denke wir werden auch dementsprechend erzogen und so widerspiegelt es sehr viel. Danach geben wir unbewusst unseren Kinder das anerzogene weiter. Vielleicht sind es einfach nur ausgepr√§gte Z√ľge, welche wir mitnehmen, die dich dann stark oder schwach wirken lassen. Ich bin immer viel zu nett/lieb, meine Mutter ist es auch und meine Grossmutter war es auch.
Hast du depressive Eltern oder Grosseltern ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass auch du diese Gene in dir trägst. Ist dass selbe mit anderen Krankheiten.

Unsere heutige Gesellschaft lernt uns aber, das wir uns st√§ndig ver√§ndern sollen. Manche k√∂nnen es, manche haben ihre liebe m√ľhe damit. Sicher auch eine Charaktereigenschaft. Meine nett/lieb Eigenschaft wird sich nicht bew√§hren, ich solltet mir Haare auf den Z√§hnen wachsen lassen. Sicherlich habe ich mich in manchen Charaktereigenschaften etwas ver√§ndert, gen√ľgt es um weiter zu bestehen? Ich weiss es nicht.

Grundlegend kann ein Mensch nicht verändert werden, er muss es wollen und dazu bereit sein. In krisenhaften Situationen werden aber immer diese Charaktereigenschaften nach vorne treten (nicht dass ich in einer Krise jetzt äusserst nett wäre) und oft wendet man ja als erstes einem bekannte, bisher gelungene Strategien an.

Sigmund Freud beschreibt sehr sch√∂n das Entwicklungsmodell der Psyche. Man kann es bel√§cheln, aber es tr√§gt sehr viel Wahrheit in sich. So werden Charaktereigenschaften schon in den fr√ľhen Monaten nach der Geburt entwickelt, die pr√§gen und quasi nie mehr weggemacht werden k√∂nnen. Wie lebt/erlebt man die einzelnen Lebensphasen, welche wirken stark pr√§gend. So denke ich werden Charaktereigenschaften noch gefestigt.
Ehe Du √ľber andere Menschen urteilst, zieh Dir seine Schuhe an und lauf seinen Weg

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Beitrag von Axel » Mittwoch 21. Mai 2008, 11:50

Erziehung ist ein guter Punkt. Ich muss mal wieder etwas weietr ausholen. Im Bezug auf meinem Gro√üvater und meinem Vater muss ich sagen, ich genoss von ihm die wenigste Erziehung. War aus berufstechnischen Gr√ľnden so und so wuchs ich eigentlich bei meiner Mutter auf. Mein Vater ist aber wiederum ein ganz anderer Typ als seiner und hat, au√üer vielelicht was vom Aussehen, nicht viel gemeinsam. Trotz fehlenden Phrasen, habe ich etwas von einer Genertation geebrt, die ich nicht kenne.
Eine gewisse Kmpfernatur von meiner Gro√ümutter m√ľtterlicherseits. War Anfang 20, keine Eltern mehr, Gro√üteil der Geschwister im Krieg geblieben und einfach nur auf sich gestellt und sp√§ter 3 Kinder gro√ügezogen. Das hat sich nat√ľrlich auch √ľbertragen und in meiner fr√ľhen Kindheit auch. Beispiel: Axel, du bis 5 Jahre, hast 2 beine zum Laufen und kannst alleine im Kindergarten gehen. => Oma es regnet doch und Mutti bringt mich immer bis an die Treppe. => Du wirst doch wohl die paar Meter alleine laufen kommen, ich habe nochwas zu tun. => Heul => Mir egal, sie zu dass du Land gewinnst ... aber es klappte und es war wohl auch ein pr√§gendes Erlebnis.
Meine Eltern waren immer Vollzeit arbeiten und wenn wir aus der Schule kamen, war niemand da. Wir lernten usnere Hausuafgaben selbständig zu machen, packten den Schulranzen selber und gingen, wenn es mal vorkam, auch alleine ins Bett.

Man hatte dann ein gewisse Ordungsgef√ľhl und auch Selbst√§ndigkeit. Auf der anderen Seite, bis heute, ein sehr stark ausgepr√§gtes Familiengef√ľhl. Zusammenhalt ist alles und jede Krise kann gel√∂st werden, wenn man will.

Zu deinem Satz mit Sigmund Freud, kann ich nur zustimmen. Ich kenne einen Fall aus meinem Umfeld. Mutter alleinstehend und Alkoholikerin. In der Schule erst lieb und sogar anh√§nglich, sp√§ter dann DER Raufbold und kriminelle Machenschaften. Heute aber nicht mehr, aber daf√ľr ein stark ausgepr√§gtes Ego mit wenig Platz f√ľr Teamgeist.

S√ľchtige bringen sehr oft S√ľchtige zur Welt. Ob es dann die gleiche Sucht ist, ist eine andere Frage. Manchmal nur Geltungssucht oder eine der vielen anderen S√ľchte, welche nicht k√∂rperlich abh√§ngig machen. Angst vor Armut ist auch oft so ein Ph√§nomen. Wenn das Geld √ľberm√§√üig im Vordergrund steht, hat es auch oft Ursachen in der Vergangenheit. W√§re bei mir z.B. gar nicht so, weil wir immer alles hatten und bekamen, wenn wir was brauchten.

Sich ändern wollen, ist eine Sache des Bewußtseins. In der heutigen schnellebigen zeit wird das immer schwieriger, da man bei Problemen zuerst bei anderen sucht. Bis man die Ursache gefunden haben könnte, tritt schonwieder ein neuer Lebensumstand ein.

Zu mir, also ich gebe schon immer Tipps, wen ich mich aufrege, einfach ein paar Minuten in Ruhe lassen. Oder ebschäftige mich dann solange mit was anderen. Und wenn es dann doch mal durchdringt, tut es mir dann hinterher leid. :) Aber das kann man nicht ändern, nur versuchen besser zu steuern.

Ich fand das bei einer Deutschlehrerin immer cool. Ein Störenfried am nerven, sie auch eine Cholerikerin und wenn es hart kam, erst die Standpauke und dann aus dem Fenster gucken und mehrmals tief durchatmen und normal weitermachen. Das hab ich mir abgeguckt! Klappt hin und wieder.

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Beitrag von Cathy » Mittwoch 21. Mai 2008, 13:06

Ja ich komme sehr oft mit der Erziehung. Vielleicht ist es von mir eine weitere Charakterschwäche, habe ich doch eine sehr charakterstarke Tochter und ich behaupte von mir, dass ich es nicht bin.
Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Oft verstehe ich nicht, wie meine Tochter mit dem Kopf durch die Wand gehen kann/muss, bis sie zur Besinnung kommt. Ich meinerseits, wäge alles zuerst ab. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, das ich schon viele schmerzhafte Erlebnisse sammeln musste (so bin ich vielleicht meiner Tochter ähnlicher als mir lieb ist).

Ich denke auch Sucht ist vererbbar, resp √ľbertragbar. Ob es jetzt Zigaretten, Drogen, Alkohol, Medikamente, oder dergleichen sind. Kommt ein Kind einer Drogens√ľchtigen zur Welt, muss es erstmal einen Entzug hinter sich bringen. Harte Realit√§t f√ľr so ein kaum 2 Tage alles Ding. Pr√§gt dich das nicht schon in deinem Charakter?

Man sagt doch auch, ein Kind welches durch Kaiserschnitt zur Welt gebracht wurde, h√§tte die erste Grenze des Lebens nie erlebt. Grenze dadurch, dass du deinen Kopf nicht durch diese schmale √Ėffnung pressen musstest. Erster Charakterzug, indem du deine Grenzen nie kennen lernst?

Nichts desto trotz, jeder Charakterzug passt zu einem Menschen, macht ihn individuell, gehört zu deinem Dasein.
Auch ein Massenm√∂rder hat Charakterz√ľge, die ihn pr√§gten, zu dem werden liessen was sie sind. Und hier ist oft Erziehung vs Charakter mit im Spiel.
Wir haben die Eigenschaft etwas zu √§ndern, wenn wir nur wollen. Es ist oft hart oder unumg√§nglich f√ľr unser weiteres Dasein. Oft merkt man ja einiges an sich nicht, wie soll man dies ver√§ndern? Einiges wird von Freunden, Bekannten, Psychiatern aufgezeigt, aber, wenn es dich nicht zu st√∂ren vermag, dann lasse auch ich diesen Zug, dein Leben bestimmen.
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